Pressemitteilung | Familienbetriebe Land und Forst e.V. (FaBLF)

UBA-Gutachten zur Holzenergie: Wissenschaftler kritisieren Zweifel an CO₂-Neutralität

(Berlin) - Ein bislang nicht veröffentlichtes Kurzgutachten zur Klimawirkung von Holzenergie, das im Auftrag des Umweltbundesamts vom IKEM-Institut erstellt wurde, stößt bei namhaften Wissenschaftlern auf deutliche Kritik. In einer schriftlichen Stellungnahme widersprechen die emeritierten Professoren Roland Irslinger (Tübingen), Ernst-Detlef Schulze (Jena) und Albrecht Bemmann (Dresden) mehreren zentralen Aussagen des Gutachtens. Alle drei zählen zu den erfahrensten Fachleuten im Bereich Wald, Klima und nachhaltige Biomassenutzung. Der Verband Familienbetriebe Land und Forst unterstützt die Einordnung und mahnt eine faktenbasierte Auseinandersetzung mit der Rolle von Holz in der Energiewende an.

„Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern ist erneuerbare Energie – das ist keine Meinung, sondern wissenschaftlich belegt“, erklärt Max von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst. „Wenn juristische Bewertungen mit naturwissenschaftlich fragwürdigen Annahmen untermauert werden, entsteht der Eindruck gezielter politischer Einflussnahme – zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt kurz vor der Regierungsbildung.“

In ihrer Stellungnahme stellen die Wissenschaftler klar: Die CO₂-Bilanz nachhaltig bewirtschafteter Wälder bleibt im Gleichgewicht – unabhängig davon, ob das geerntete Holz stofflich oder energetisch genutzt wird. Die vielfach diskutierte sogenannte „Kohlenstoffschuld“, wonach bei der Holzverbrennung freigesetztes CO₂ erst nach Jahrzehnten wieder gebunden werde, ist aus Sicht der Forst- und Klimawissenschaft nicht haltbar. Vielmehr wird das CO₂ bereits in der auf die Ernte folgenden Vegetationsperiode durch das Wachstum der übrigen Waldfläche wieder aufgenommen. Im Gutachten von IKEM wird in der Grundthese der Fehler gemacht, den Einzelbaum zu betrachten, für die CO2-Bilanz des Waldes ist dies die falsche Ebene. Stattdessen muss für die Bewertung der Klimaschutzwirkung die nationale Ebene, also die gesamte Waldfläche, im Fokus stehen.

Die Professoren kritisieren zudem die im Gutachten implizit befürwortete stärkere Gewichtung der stofflichen Holznutzung gegenüber der energetischen. Sie betonen, dass in der forstlichen Praxis in Deutschland bereits heute nahezu das gesamte geeignete Holz stofflich verwertet wird. Was dafür nicht geeignet sei – sogenanntes Waldrestholz oder Sägereststoffe – werde energetisch genutzt. Eine zusätzliche Regulierung könnte nach ihrer Einschätzung zu einem faktischen Nutzungsverbot für große Mengen von Biomasse führen, die andernfalls durch fossile Energieträger ersetzt werden müssten.

„Wir erleben gerade einen zunehmenden Versuch, Holzenergie als Teil der erneuerbaren Energien grundsätzlich infrage zu stellen“, warnt Elverfeldt. „Dabei ist gerade die nachhaltige Nutzung heimischer Holzressourcen ein elementarer Beitrag zur Versorgungssicherheit, zum Klimaschutz und zur wirtschaftlichen Nutzung ländlicher Potenziale.“

Die Familienbetriebe Land und Forst fordern, geplante Änderungen in der Bewertung von Holzenergie transparent und im Dialog mit Praxis und Wissenschaft zu diskutieren. Die Stellungnahme der Wissenschaftler sei ein wichtiger Beitrag zu einer sachlichen Debatte.

Als Dachorganisation von elf Landesverbänden vertreten wir erfolgreich die Interessen von land- und forstwirtschaftlichen Familienbetrieben auf nationaler und europäischer Ebene. Wir setzen uns für den Schutz des privaten Eigentums und die Stärkung der Wirtschaftskraft im ländlichen Raum ein. Als Sprachrohr für unsere Mitglieder befinden wir uns im ständigen Dialog mit allen relevanten Stakeholdern. Unser Engagement gilt der unternehmerischen Freiheit und einer verantwortungsvollen, generationengerechten Politik.

Quelle und Kontaktadresse:
Familienbetriebe Land und Forst e.V. (FaBLF), Franziska Strasoldo-Graffemberg, Leiter(in) Kommunikation, Claire-Walldoff-Str. 7, 10117 Berlin, Telefon: 030 2463046-0

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