Öffentlicher Dienst beschäftigt mehr Menschen befristet und in Teilzeit als die Privatwirtschaft
(Düsseldorf) - Bei öffentlichen Arbeitgebern arbeiten mehr Menschen befristet und in Teilzeit als in der Privatwirtschaft. Dies zeigt eine Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung, die in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift WSI-Mitteilungen veröffentlicht wurde. Ausgewertet wurden sowohl Daten des Statistischen Bundesamtes als auch der WSI-Personalrätebefragungen. Während in der Privatwirtschaft 8 Prozent der abhängig Beschäftigten einen zeitlich befristeten Arbeitsvertrag haben, sind es im öffentlichen Dienst 10 Prozent. Im öffentlichen Dienst arbeiten mit 27 Prozent auch mehr Menschen in Teilzeit als in der Privatwirtschaft, hier sind es nur 21 Prozent.
Die Wissenschaftlerin Elke Ahlers erklärt dies in erster Linie mit dem hohen Frauenanteil im öffentlichen Dienst: Wenn Frauen wegen Kindererziehung und Pflege zeitweilig aus dem Beruf aussteigen, kann der Arbeitgeber ihre Stellen aufgrund des Teilzeit- und Befristungsgesetzes in befristete Stellen umwandeln. Zudem werden prekäre Jobs im öffentlichen Dienst angesichts knapper Haushaltsbudgets vermutlich auch gern vergeben, um Personalkosten einzusparen.
Die Daten der WSI-Personalrätebefragung zeigen aber auch, dass im öffentlichen Dienst trotz schlechter Haushaltslage und ständigen Maßnahmen zu Einsparungen bei den Personalkosten nur selten (4 Prozent) betriebsbedingt gekündigt wird. Das sind die Früchte jahrelanger, engagierter Personalratsarbeit. Im Zuge von Verwaltungsmodernisierungen haben viele Personalräte mit Kommunen und Ländern Vereinbarungen zum Beschäftigungsschutz ausgehandelt, sagt Ahlers.
Quelle und Kontaktadresse:
Hans-Böckler-Stiftung
Margitta Reicharz, Pressestelle
Hans-Böckler-Str. 39, 40476 Düsseldorf
Telefon: 0211/77780, Telefax: 0211/7778120
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