Lehrkräftegesundheit in Gefahr – VBE fordert Teilnahme an TALIS
(Berlin) - „Während der Lernenden-Bereich durch vielfältige Erhebungen beleuchtet wird, fehlen Daten zur Gesundheit und zum Wohlbefinden von Lehrkräften“, kritisiert der VBE Bundesvorsitzende Gerhard Brand. Schon seit der ersten Durchführung von TALIS (Teaching and Learning International Survey der OECD; gemeinhin auch als „Lehrkräfte-PISA“ betitelt) fordert der VBE deshalb eine Beteiligung Deutschlands hieran. Doch die (damals noch) Kultusministerkonferenz fasste 2005 den folgenreichen Beschluss, dies nicht zu tun. Brand kommentiert: „Bis heute ist der Beschluss weder öffentlich einsehbar, noch gibt es eine einleuchtende Erklärung. Wenn zum Beispiel der Datenschutz eine so gewichtige Rolle spielen würde, dürften wir erst recht nicht an PISA teilnehmen. Zudem beweist doch die Teilnahme des Kita-Personals aus Deutschland an der ‚TALIS Starting Strong‘-Studie, dass eine deutsche Beteiligung möglich ist.“
Aus diesem Grund ist der VBE jetzt einen Schritt weitergegangen: Bundes- und jeweilige Landesvorsitzende haben gemeinsam die Kultusministerien der Länder angeschrieben. Ziel ist, dass die Frage einer Beteiligung erneut auf die Agenda in den Landesministerien kommt – und in der Bildungsministerkonferenz ein entsprechender Beschluss forciert wird. „Die Gelegenheit ist günstig: Für TALIS 2030 können sich Länder, die teilnehmen möchten, noch bis 2026 melden – ausreichend Zeit für die Befassung und das Einplanen in den Haushalt.“
Dass das notwendig ist, zeigen Daten, die der Verband in repräsentativen forsa-Schulleitungsbefragungen erheben ließ: So sahen im Herbst 2023 60 Prozent der Schulleitungen einen Anstieg langfristiger, krankheitsbedingter Ausfälle. Dies gilt sowohl für physische als auch psychische Erkrankungen. Diese Werte sind im Vergleich zu vorherigen Befragungen deutlich gestiegen. Im Jahr 2019 sagte mehr als ein Drittel der Befragten, dass Erkrankungen zugenommen haben. Im Jahr 2021 war es die Hälfte. Brand kommentiert: „Der hohe Fachkräftemangel und der enorme Druck, der damit für Bestandslehrkräfte entsteht, hat Folgen. Doch welche das sind, und wie ihnen adäquat begegnet werden kann, muss eine Datenerhebung und -auswertung zeigen.“
In dem Brief, der den Ministerien in diesen Tagen zugeht, legt der VBE dar, weshalb eine Teilnahme an TALIS notwendig ist. Dabei wurden fünf Punkte fokussiert:
1) Gesundheit von Lehrkräften endlich systematisch erfassen
Wer gesunde Schulen will, braucht gesunde Lehrkräfte – und die richtigen Daten, um Arbeitsbedingungen gezielt zu verbessern. Wir brauchen die Erfassung des Status Quo, um darauf aufbauend Gegenmaßnahmen zu konzipieren und anzuwenden. Dabei sichert die Evidenzbasierung des Handelns langfristige Erfolge.
2) Internationale Best Practices nutzen und selbst Vorbild werden
Andere Länder haben längst erkannt, wie wichtig Lehrkräftegesundheit ist – und arbeiten mit TALIS-Daten an besseren Lösungen. Deutschland sollte von diesen Erkenntnissen profitieren und selbst mit erfolgreichen Maßnahmen Vorbild sein.
3) Bessere Arbeitsbedingungen für mehr Personal und gesenkte Kosten
Deutschland braucht dringend mehr Lehrkräfte – aber unter den aktuellen Bedingungen wird der Beruf zunehmend unattraktiv, während der akute Mangel weiter bestehen bleibt. Bessere Arbeitsbedingungen helfen, mehr Lehrkräfte zu gewinnen und im Beruf zu halten. Das ist nicht nur gut für die Schulen, sondern spart langfristig auch Kosten durch weniger Krankheitsausfälle und Frühverrentungen/-pensionierungen.
4) Wertschätzung zeigen
Die im System befindlichen Lehrkräfte haben Jahre hinter sich, die geprägt waren von Fachkräftemangel, steigenden Herausforderungen und immer mehr Verwaltungsaufgaben Sie arbeiten unter enormen Druck. Gleichzeitig wird das Bildungssystem oft angegriffen und kritisiert. TALIS bietet auch die Möglichkeit, gerade denjenigen Wertschätzung entgegenzubringen, die in schwierigen Zeiten mit höchstem Engagement die Schulen am Laufen halten: die Lehrkräfte.
5) Mehr Motivation führt zu besseren Bildungsergebnissen
Nicht zuletzt zeigen Studien, dass Leistungen der Schülerinnen und Schüler bei motivierten Lehrkräften besser sind. TALIS könnte aufzeigen, welche Maßnahmen in anderen Ländern dazu beitragen, Lehrkräfte motiviert zu halten. Die Ergebnisse helfen mittlerweile allen am Bildungssystem Beteiligten.
Brand fasst zusammen: „Die Frage ist nicht, ob sich Deutschland TALIS leisten kann, sondern, ob wir es uns leisten können, weiter darauf zu verzichten. Es ist höchste Zeit, Lehrkräftegesundheit endlich ernst zu nehmen!“
Mit dem Thema Lehrkräftegesundheit befasst sich der VBE auch auf dem Deutschen Lehrkräftetag, der unter dem Motto „Lehrkräfte stärken“ steht. Diesen richtet er gemeinsam mit seinen Landesverbänden, dem Sächsischen Lehrerverband SLV, dem Thüringer Lehrerverband tlv und dem VBE Sachsen-Anhalt, sowie dem Verband Bildungsmedien in Kooperation mit der Leipziger Buchmesse am Freitag, den 28. März 2025, aus. Er steht unter der Schirm-herrschaft der Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Simone Oldenburg.
Quelle und Kontaktadresse:
Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE), Anne Roewer, Leiter(in) Kommunikation, Behrenstr. 24, 10117 Berlin, Telefon: 030 7261966-0