DBfK fordert Strukturreformen statt Geldregen
(Berlin) - Der Bundesrat hat dem Milliardenpaket mit der nötigen Zweidrittelmehrheit zugestimmt. Errichtet wird nun ein Sondervermögen über 500 Milliarden Euro. Daraus soll die Instandsetzung der maroden Infrastruktur bezahlt werden und gleichzeitig melden die Lobbygruppen bereits dringenden Finanzbedarf an – darunter mächtige Akteure der Selbstverwaltung. Doch mehr Geld in ein marodes System zu stecken ist keine Lösung, meint der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) und fordert stattdessen tiefgreifende Reformen.
„Die aktuellen Bestrebungen, das Gesundheitssystem durch zusätzliche Mittel aus dem gerade beschlossenen Sondervermögen zu retten, kaschieren gravierende strukturelle Defizite“, so DBfK-Präsidentin Vera Lux.
Geld ist vorhanden: OECD-Daten belegen immer wieder, dass Deutschland unter den Spitzenreitern in den Ausgaben liegt, aber nur im Mittelfeld bei den Ergebnissen. Das macht deutlich, dass höhere Gesundheitsausgaben nicht zwangsläufig zu besseren Ergebnissen führen und dass viel Geld im deutschen System steckt.
Mehr Geld reduziert den Druck, die dringend notwendigen Reformen anzugehen. „Anstatt immer mehr Geld in ein marodes System zu geben, muss das deutsche Gesundheitssystem jetzt grundlegend modernisiert werden: Das Aufbrechen von überkommenen Hierarchien, eine neue Aufgabenverteilung, mehr Kompetenzen für die professionelle Pflege sowie ein verstärkter Fokus auf Prävention und Gesundheitsförderung sind unabdingbar, um die Gesundheitsversorgung effektiv, demografiefest und kostengünstiger zu gestalten“, so Lux.
Dazu sei auch ein Bürokratieabbau in der Langzeitpflege dringend notwendig, damit professionell Pflegende mehr Zeit für die direkte Versorgung und Prävention haben. Der DBfK fordert daher neue Vergütungsmodelle, die den Pflegefachpersonen mehr Entscheidungsspielraum geben und gezielte präventive Maßnahmen ermöglichen. Außerdem brauchen pflegende An- und Zugehörige professionelle Unterstützung, damit sie die Pflegesituation gut bewältigen können.
„Um chronisch Kranke besser zu begleiten und die Gesundheitsversorgung in Stadt und Land nachhaltig zu sichern, müssen lokale Netzwerke aus professioneller Pflege, Medizin und Sozialarbeit gezielt gefördert werden“, betont Lux. Besonders Community Health Nurses (CHN) spielen dabei laut DBfK eine Schlüsselrolle: Sie sichern die Versorgung vor Ort, verbessern die sektorenübergreifende Zusammenarbeit und bieten wohnortnahe Unterstützung für Menschen aller Altersgruppen – auch mit komplexem Versorgungsbedarf.
„Anstatt in ein überholtes System weiter zu investieren, appellieren wir an die zukünftige Bundesregierung: Es ist höchste Zeit, den Mut für echte Reformen aufzubringen und die Zukunft des Gesundheitswesens neu zu gestalten“, so die Forderung von DBfK-Präsidentin Lux.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V. (DBfK), Alt-Moabit 91, 10559 Berlin, Telefon: 030 219157-0