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Pressemitteilung

Versicherungswirtschaft 2000 mit 3 Prozent Beitragswachstum

(Berlin) - Die Geschäftsentwicklung der deutschen Versicherungswirtschaft 2000 muss im Zusammenhang mit dem herausragend guten Geschäftsergebnis im Jahr 1999 betrachtet werden, als Sonderentwicklungen für einen einmaligen, kräftigen Wachstumsschub gesorgt hatten. So liegt das Neugeschäft der Lebensversicherer im Jahr 2000 niedriger als im Vorjahr.

Ausgehend vom hohen Beitragsniveau 1999 wird die Wachstumsrate für die Gesamtbranche naturgemäß geringer ausfallen, als dies im Anschluss an ein Normaljahr der Fall gewesen wäre. Verunsichert etwa durch die politische Diskussion um eine Besteuerung von Erträgen aus Kapitallebensversicherungen haben viele Kunden ihre Entscheidung, privat für ihr Alter oder für ihre Hinterbliebenen vorzusorgen, auf das Jahr 1999 vorgezogen. Dennoch wurden im Jahr 2000 weitere 7,3 Millionen Lebensversicherungsverträge abgeschlossen (1999: 10,3 Millionen) - von einem Einbruch im Neugeschäft der Lebensversicherer kann demnach nicht die Rede sein.

Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) in Berlin mitteilt, belaufen sich die Beitragseinnahmen seiner Mitgliedsunternehmen nach vorläufigen Ergebnissen auf 257,6 (1999: 250,07) Milliarden DM. Dies bedeutet für die Gesamtbranche ein Plus von 3 (1999: 5,5) Prozent. Die erbrachten Versicherungsleistungen einschließlich der Zuführungen zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung stiegen um 3,5 Prozent auf 300,2 (1999: 289,9) Milliarden DM.

GDV-Präsident Bernd Michaels: "Nach dem Ausnahmejahr 1999 stellt die Geschäftsentwicklung des Jahres 2000 in vieler Hinsicht eine Rückkehr zur Normalität dar. Wir können mit dem erreichten Ergebnis dennoch sehr zufrieden sein. Vor allem in der Lebensversicherung ist das Ergebnis deutlich besser als erwartet ausgefallen."


Tendenzen und Perspektiven in den Hauptzweigen

Zwar konnte sich in der Lebensversicherung die sensationelle Entwicklung des Jahres 1999 nicht fortsetzen. Dennoch verzeichnete die Branche trotz des erheblichen Rückgangs im Neugeschäft immerhin ein Beitragsplus von 3,7 (1999: 11,9) Prozent auf 119,20 Milliarden DM. Die Entwicklung der Neuabschlüsse stand dagegen ganz im Schatten des 1999er Booms: Das Neugeschäft schmolz mit 7,3 (1999: 10,3) Millionen Verträgen über eine versicherte Summe von 417,50 (1999: 577,20) Milliarden DM um 29,1 Prozent. Die Beiträge der neu eingelösten Lebensversicherungen gingen um 27,2 Prozent auf 24,06 (1999: 33,04) Milliarden DM zurück, wobei Neuverträge mit laufendem Beitrag um 40,8 Prozent und solche gegen Einmalbeitrag um 8,9 Prozent abnahmen.

Die Versicherungsleistungen der Lebensversicherer erhöhten sich abermals kräftig: Die an die Versicherungsnehmer oder deren Hinterbliebene ausgezahlten Leistungen legten um 11,1 (1999: 10,4) Prozent auf 96,6 Milliarden DM zu. Nimmt man die zugunsten der Kunden gebildeten Leistungsreserven in Höhe von 73,9 Milliarden DM hinzu, so stiegen die gesamten Leistungen der Lebensversicherer um 5,6 (1999: 7,6) Prozent auf 170,5 Milliarden DM.

Die privaten Krankenversicherer (PKV) erzielten im Jahr 2000 mit 40,6 Milliarden DM Beitragseinnahmen ein Plus von 4,2 (1999: 3,1) Prozent. Davon entfielen 36,6 Milliarden DM auf die Kranken- (plus 4,4 Prozent) und 3,9 Milliarden DM auf die Pflegepflichtversicherung (plus 2,1 Prozent). Der Bestand an vollversicherten Personen wuchs um rund 166 200 auf 7,42 Millionen Versicherte. Die Gesamtaufwendungen für die Versicherten, sie beinhalten die Aufwendungen für Versicherungsfälle zuzüglich der Zuführung zur Alterungsrückstellung sowie zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung, stiegen um 7,1 (1999: 10,0) Prozent auf rund 50 Milliarden DM. Bei den Krankheitskosten ergab sich ein Plus von 4,4 Prozent auf 25,7 Milliarden DM, in der Pflegepflichtversicherung ein Minus von 0,5 Prozent auf 0,9 Milliarden DM. Die Leistungsausgaben in der Krankenversicherung (ohne Krankentagegeld) lagen mit plus 2,8 Prozent leicht über dem allgemeinen Anstieg der Lebenshaltungskosten.


Schaden und Unfallversicherung

Die Schaden- und Unfallversicherung weist im Jahr 2000 erstmals seit 1995 wieder ein Beitragsplus aus: Die Bruttobeitragseinnahme stieg um 1,5 (1999: -0,3) Prozent auf 94,8 Milliarden DM. Die Aufwendungen für Geschäftsjahresschäden sanken insgesamt um 2,8 (1999: plus 5,1) Prozent auf ein Volumen von 77,6 Milliarden DM. In den einzelnen Zweigen ergab sich dabei Folgendes:

Die positive Beitragsentwicklung ging in erster Linie auf die Autoversicherung zurück. Im größten Schadenzweig stieg der Umsatz um 2,8 (1999: minus 0,9) Prozent auf 39,8 Milliarden DM. Dabei erhöhten sich die Einnahmen der Haftpflicht- und der Vollkaskoversicherung um jeweils 3,5 Prozent (1999: Haftpflicht: 0,5 Prozent; Vollkasko: 0,1 Prozent), während sich für Teilkasko ein Minus von 2,0 (1999: minus 4,7) Prozent ergab. Der Aufwand für Geschäftsjahresschäden minderte sich in Kraftfahrt um 2,1(1999: plus 4,0) Prozent auf 39,8 Milliarden DM. Die Schadenquote ging um 4,7 Punkte auf 100 Prozent, die Schadenhäufigkeit um 1,5 Punkte auf 81 Promille zurück. Der versicherungstechnische Bruttoverlust reduzierte sich dadurch leicht von 3,8 auf 3,4 Milliarden DM. In KFZ-Haftpflicht und in Teilkasko sanken die Aufwendungen um jeweils 3,5 (1999: +1,9 bzw. +4,7) Prozent auf 26,7 bzw. 2,4 Milliarden DM. In der Vollkasko ergab sich dagegen ein Aufwandsplus von 2,0 (1999: 10,0) Prozent auf 10,6 Milliarden DM.


In der Sachversicherung Talsohle erreicht

Sinkende Beitragseinnahmen kennzeichnen dagegen weiterhin den Verlauf in der gesamten Sachversicherung. Nach einem Rückgang von 2,1 Prozent in 1999 betrug das Minus im Berichtsjahr bei einem Beitragsvolumen von rund 24 Milliarden DM aber nur noch 1 Prozent. Der Schadenaufwand minderte sich um 5,4 (1999: plus 12,4) Prozent auf 18,1 Milliarden DM. Insgesamt zeigen die einzelnen Sparten, sofern sie nicht 1999 durch die Stürme Lothar und Martin belastet gewesen waren, nur wenig Veränderungen.

In der Industriellen Sachversicherung sanken die Einnahmen nur noch um 2 Prozent auf 5,9 Milliarden DM. 1999 hatte das Beitragsminus noch 6,7 Prozent betragen. Dennoch bleibt die Sparte in hohem Grade verlustträchtig. Dramatisch ist die Situation in der Industriellen Feuer- und Feuer-Betriebsunterbrechungsversicherung: Bei einem Beitragsaufkommen von nur noch 1,9 (1999: 2,3) Milliarden DM betrug der Einnahmerückgang 16,0 (1999: minus 19,2) Prozent. Allerdings ergab sich hier mit minus 16 (1999: minus 8,4 ) Prozent auf 2,3 Milliarden DM auch eine deutliche Entlastung beim Schadenaufwand.

In der Allgemeinen Sachversicherung (gewerbliches, landwirtschaftliches und privates Geschäft) betrug das Umsatzminus bei einem Beitragsvolumen in Höhe von 18,1 Milliarden DM lediglich noch 0,2 (1999: 0,5) Prozent. Die Aufwendungen für Geschäftsjahresschäden verminderten sich um 3,4 (1999: plus 12,8) Prozent. Die Schadenquote verbesserte sich leicht auf 67 (1999: 68,8) Prozent. In der Verbundenen Wohngebäudeversicherung, dem beitragsstärksten Sachzweig, konnte ein leichter Beitragszuwachs von 1,5 (1999: plus 0,7) Prozent auf 6,9 Milliarden DM erzielt werden. Hier verminderte sich außerdem der Aufwand um 8 (1999: plus 20,5) Prozent auf 5,1 Milliarden DM. Bei der Schadenquote ergab sich dadurch eine Verbesserung um 7,8 Punkte auf 74 Prozent. In der Verbundenen Hausratversicherung waren Einnahmen dagegen um minus 1,0 (1999: plus 0,8) Prozent leicht rückläufig, während der Aufwand für Geschäftsjahresschäden um 2,0 (1999: 4,5) zunahm. Die Schadenquote erhöhte sich leicht auf 55 (1999: 53,6) Prozent.

Haftpflicht Unfall, Rechtsschutz und Transport mit Umsatzplus
Die Allgemeine Haftpflichtversicherung verzeichnete ein leichtes Beitragsplus von 0,5 (1999: 2,0) Prozent auf 11,6 Milliarden DM. Auf der Schadenseite ergab sich eine Entlastung bei den Aufwendungen von minus 3,5 (1999: plus 3,3) Prozent auf 9,2 Milliarden DM. Allerdings ist die Lage in der industriellen und gewerblichen Haftpflichtversicherung nach wie vor angespannt. Die Privaten Unfallversicherer verbuchten ein Beitragswachstum von 2,0 (1999: 3,2) Prozent auf 10,6 Milliarden DM. Die Schadenseite entwickelte sich mit einem Aufwandsminus von 1,5 (1999: plus 1,5) Prozent auf 4,8 Milliarden DM moderat. Die Einnahmen in der Rechtsschutzversicherung stiegen um 2,1 (1999: 1,1) Prozent auf 5,3 Milliarden DM, während der Aufwand sich um 1,0 (1999: minus 0,6) Prozent weiter verminderte. Auch die Transportversicherer verbuchten ein Umsatzplus. Hier nahmen die Einnahmen um 1,5 (1999: minus 1,6) Prozent auf 3,2 Milliarden DM zu. Nach einem Minus von 10,2 Prozent in 1999 stieg allerdings auch der Schadenaufwand in dieser Sparte um 3,5 Prozent auf 1,7 Milliarden DM.


Assekuranz 2001 mit moderatem Wachstum

Für das Jahr 2001 erwartet die Versicherungswirtschaft allenfalls eine leichte Wachstumsbeschleunigung. In der Lebensversicherung, mit mehr als der Hälfte der Beitragseinnahmen Wachstumsträger für die gesamte Branche, ist von einer etwas stärkeren Nachfrage auszugehen. "Nach monatelangen Diskussionen ist das Altersvermögensgesetz nun im Vermittlungsverfahren stecken geblieben", sagte Dr. Michaels. "Dennoch gehen wir - auch in unseren Prognosen - vom Inkrafttreten beider Gesetze zur Rentenreform aus. Das quälende politische Taktieren muss ein Ende haben. Wir erwarten, vor allem im Interesse der erwerbstätigen Bevölkerung, dass sich die Bundesländer in ihrer nächsten Sitzung mehrheitlich für ein Zustandekommen der Förderung privater Altersvorsorge entscheiden. Die Versicherungswirtschaft braucht nur noch den endgültigen gesetzlichen Rahmen, um die Produkte auf den Markt zu bringen. Mit ihrer Leistungskraft und ihrem Know-how werden die Versicherer die künftige Alterssicherung maßgeblich mittragen und zukunftssicher gestalten." Aber auch unabhängig von der so genannten Riester-Rente sei das Versorgungsbewusstsein der Bevölkerung im Zuge der Reformdiskussion gewachsen. In der Lebensversicherung sei daher von einem Beitragswachstum in der Größenordnung von 4 Prozent auszugehen.

In der privaten Krankenversicherung werde ein kontinuierliches Beitragswachstum erwartet. Trotz der fortdauernden Kostensteigerungen in den meisten Ausgabenbereichen werde es auch in 2001 gelingen, stärkere Beitragsanhebungen zu vermeiden. Auch das gesundheitspolitische Umfeld dürfte sich im laufenden Geschäftsjahr kaum verändern. Deshalb dürfte ein Beitragsplus von 4,5 Prozent durchaus realistisch sein.

Auch in der Schaden- und Unfallversicherung seien keine Impulse in Sicht, die eine besondere Wachstumsdynamik erwarten ließen. Hier werde mit einem leichten Plus von etwa 2,0 Prozent gerechnet. Aus den Einschätzungen der Sparten ergebe sich für die gesamte Versicherungswirtschaft eine Wachstumsprognose bei den Beitragseinnahmen von 3,5 Prozent.


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