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Pressemitteilung

Psychologen fürchten „Praxensterben"

(Bonn) - Auf seiner Delegiertenkonferenz hat der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) die gesetzlichen Krankenkassen und die Politik aufgefordert, das für das laufende Jahr zur Verfügung gestellte Budget für ambulante psychotherapeutische Behandlungen unverzüglich um zwei Milliarden DM aufzustocken. Nur so könne der Totalbankrott des Gesundheitswesens auf dem Gebiet der psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland noch im letzten Moment abgewendet werden, erklärte BDP-Präsident Lothar J. Hellfritsch. Andernfalls prognostiziert Hellfritsch ein „reihenweises Praxensterben": Bis zu ca. 20.000 niedergelassene Psychotherapeuten in Deutschland wären wirtschaftlich gezwungen, ihre Praxen zu schließen. Damit seien bis zu 500.000 Patienten in akuter Gefahr, dass ihre Therapie von heute auf morgen abgebrochen werde.

Mittlerweile leben die Psychotherapeuten landauf, landab nur noch von der „Substanz". Bereits im ersten Halbjahr 1999 lagen ihre Einkünfte um bis zu 40 Prozent unter denen des Vorjahres. Inzwischen stehen die psychotherapeutischen Praxen kurz vor dem wirtschaftlichen Aus. Ihre Einkünfte im dritten und vierten Abrechnungsquartal werden nach seriösen Berechnungen weit unter dem Existenzminimum für eine Praxis liegen. Nach Schätzung des BDP decken die zu erwartenden Honorarsätze für eine Therapiestunde vielfach nicht einmal mehr die Praxiskosten. In einigen Bezirken Kassenärztlicher Vereinigungen stehen für das vierte Quartal überhaupt keine Mittel mehr zur Verfügung. Zwangsläufige Folge: Die Praxen müssen schließen, um sich nicht vollends in Verschuldung und Zahlungsunfähigkeit zu manövrieren.

Besondere Verantwortung der gesetzlichen Krankenkassen
Grund für die Misere ist, dass der Gesetzgeber in Verbindung mit dem am 1. Januar 1999 in Kraft getretenen Psychotherapeutengesetz für dieses Jahr ein mit 1,2 Milliarden DM viel zu niedriges Budget für psychotherapeutische Behandlungen festgelegt hat. Schuld an der Fehleinschätzung der Politiker haben zu einem guten Anteil die gesetzlichen Krankenkassen, von denen nicht alle ihre früheren Aufwendungen für Psychotherapie – eine wichtige Bezugsgröße für das 99er Budget – in der tatsächlichen Höhe aufgedeckt haben. Gerade deshalb sieht der BDP die Krankenkassen jetzt in einer besonderen Verantwortung, sich mit den notwendigen Mitteln und ohne weitere Verzögerungen daran zu beteiligen, den Zusammenbruch der psychotherapeutischen Versorgung noch abzuwenden. Das gebiete schon allein die Versorgungs- aber auch Fürsorgepflicht ihren Versicherten gegenüber, meint der BDP. Nachdem die Kassenärztliche Bundesvereinigung aus ihren Mitteln 400 Millionen DM zur Budgetaufstockung bereitstellen wolle, falls die Kassen auch ihrerseits mindestens einen gleich hohen Beitrag leisten, sei die Verweigerungshaltung der Kassen erst recht nicht mehr nachvollziehbar.

Auf jeden Fall ist es nach Auffassung des BDP Aufgabe des Gesetzgebers, den drohenden Notstand in der Versorgung psychisch Kranker und die drohende finanzielle Katastrophe für die psychotherapeutischen Praxen abzuwenden. Die Delegierten des Verbandes forderten deshalb auch Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer zu unverzüglichem Handeln auf. Maßstab für die erforderliche Größenordnung müsse dabei das jüngste Urteil des Bundessozialgerichtes sein, das im August eine Vergütung von 145 DM pro Therapiestunde für Psychotherapeuten (statt derzeit z.T. nur 60 DM) für angemessen erklärt hatte.

Gesetzesinitiative der SPD verspricht höchstens Tropfen auf heißen Stein
Die an sich begrüßenswerte Initiative der Arbeitsgruppe Gesundheit der SPD-Bundestagsfraktion vom 25.10.99 reicht nach Berechnungen des BDP bei weitem nicht aus, um die Vergütung für 1999 auf das zur Sicherung der Praxen ökonomisch erforderliche und höchstrichterlich für angemessen erklärte Niveau anzuheben. Aus der angestrebten Veränderung des Bezugsjahres für einen Teil des Budgets von 1996 auf 1997 ergäbe sich für 1999 eine Erhöhung des Finanzierungsvolumens um weniger als 100 Millionen DM, was allenfalls dem sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen Stein entspräche.


Quelle und Kontaktadresse:
bdp
E-Mail: presse@bdp-verband.org
Internet: www.bdp-verband.org
(dvf)