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Pressemitteilung

Mehr Jobs für gering Qualifizierte / Nicht Kombilöhne mit der Gießkanne, sondern umfassende Bildungsanstrengungen sind der Dreh- und Angelpunkt

(Gelsenkirchen) - Die hohe Arbeitslosigkeit von gering Qualifizierten lässt sich nicht mit einfachen Lösungen bekämpfen. "Kombilöhne mit der Gießkanne sind teuer und die Beschäftigungseffekte zudem fraglich", stellt die Arbeitsmarktexpertin Dr. Claudia Weinkopf vom Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) fest. Der zentrale Dreh- und Angelpunkt zum Abbau der Arbeitslosigkeit in Deutschland liegt in der Beseitigung von Engpässen im Bereich Bildung und Qualifizierung, begleitet von einem Bündel wirtschaftspolitischer Maßnahmen zur Ausweitung der Beschäftigung. Kurzfristig versprechen individuelle Problemanalysen und Wiedereingliederungsstrategien die größten Erfolge.

In einer Expertise für die Friedrich-Ebert-Stiftung hat Dr. Weinkopf die Beschäftigungs- und Arbeitsmarktsituation von gering Qualifizierten untersucht. Knapp ein Viertel aller bei den Arbeitsämtern gemeldeten offenen Stellen sind für un- und angelernte Arbeitskräfte oder einfache Tätigkeiten ausgewiesen. "Allerdings sind die Qualifikationsanforderungen auch bei vielen vermeintlich einfachen Jobs schon heute keineswegs gering. Fast überall sind inzwischen z.B. Flexibilität, soziale Kompetenzen und Kundenorientierung gefragt. Und die Anforderungen werden künftig eher noch weiter steigen", so die Arbeitsmarktexpertin. Die Aufnahmefähigkeit solcher Tätigkeitsbereiche für formal gering Qualifizierte scheint begrenzt, zumal diese oft mit anderen Gruppen wie etwa Schülern und Studierenden auf Jobsuche konkurrieren müssen. Bis zum Jahr 2010 wird der Anteil der gering Qualifizierten an allen Erwerbstätigen auf nur noch 10 Prozent zurückgehen.

Die Studie stellt verschiedene Modellprojekte von Kombilöhnen in der Bundesrepublik vor und zieht eine Zwischenbilanz der bisherigen Ergebnisse und Erfahrungen. Formal gering Qualifizierte werden hierbei nur teilweise erreicht. Vielmehr profitieren oftmals überwiegend allein erziehende Frauen. Denen fehlt es aber nicht in erster Linie an Qualifikation, sondern oftmals an geeigneten Teilzeitangeboten und einer bezahlbaren Kinderbetreuung. Ferner werden die Besonderheiten von Dienstleistungsarbeit und Qualifikationsanforderungen für verschiedene Bereiche wie Haushalt, Handel, Zeitarbeit und Call Center beleuchtet.

In ihren Schlussfolgerungen plädiert Weinkopf dafür, sich von der Illusion zu lösen, dass man mit Niedrig- und Kombilöhnen die besonderen Arbeitsmarktprobleme von gering Qualifizierten lösen könnte. An einer genauen Analyse der jeweiligen Einstellungshemmnisse und individuellen Strategien zu ihrer Überwindung geht kein Weg vorbei. Ein Jugendlicher ohne Ausbildung braucht andere Hilfen als ein 55-Jähriger; einer allein erziehenden Frau hilft oft schon ein verlässliches und flexibel es Betreuungsangebot, und mitunter fehlt vielleicht nur der Führerschein, um einen Job zu bekommen. Grundsätzlich kann man den steigenden Anforderungen in nahezu allen Beschäftigungsbereichen aber nur adäquat begegnen, wenn ein eindeutiger Schwerpunkt auf die Bildung gelegt wird. Von der Schule bis zur Weiterbildung muss die Beschäftigungsfähigkeit nachhaltig gefördert werden. Hierbei sind fachliche Qualifikationen ebenso zu berücksichtigen wie soziale Kompetenzen.

Die Expertise ist bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn zu beziehen oder als Download im Internet unter www.iatge.de.

Quelle und Kontaktadresse:
Institut Arbeit und Technik
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Telefon: 0209/17070
Telefax: 0209/1707110
E-Mail: braczko@iatge.de
Internet: www.iatge.de
(dvf)