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Pressemitteilung

Kohlweißlinge liegen wieder vorn

(Düsseldorf) - Im Rahmen seines von der Deutschen Postcode Lotterie geförderten Projektes "Zeit der Schmetterlinge" hatte der NABU NRW vom 15. Juni bis 15. Juli bereits zum 6. Mal in Folge zur landesweiten Schmetterlingszählaktion aufgerufen. Dabei stehen elf Tagfalterarten besonders im Fokus, gemeldet werden können aber alle beobachteten Tag- und Nachtfalter. Ziel ist es herauszufinden, welche und wie viele Tagfalter in den vier Sommerwochen vorrangig im Siedlungsbereich in NRW überhaupt noch zu beobachten sind. Und obwohl der Sommer die Zeit der Schmetterlinge schlechthin ist, sind die Ergebnisse wenig erfreulich: Mit insgesamt 18.000 gemeldeten Schmetterlingen, wurden zwar wieder mehr Falter gemeldet als im Vorjahr, dennoch liegen die Zahlen weit unter den Ergebnissen von 2017 (32.000) und 2018 (39.000).

Mit 4600 Meldungen sind die Kohlweißlinge dabei wieder die meist beobachteten und gemeldeten Tagfalter. Auf dem zweiten Platz liegt das Große Ochsenauge mit 1650 Beobachtungen. Platz 3 und 4 belegen die Bläulinge mit 1400 Meldungen und das Tagpfauenauge mit 1200 gemeldeten Tieren. Rund 800-mal wurde der Admiral gesichtet. Dicht beieinander liegen die Zahlen des Zitronenfalters (550), der Dickkopffalter (500) und des Schornsteinfegers (500). Die drei am seltensten gemeldeten Arten sind der C-Falter (300), der Kleine Fuchs (280) und der Distelfalter (100).

"Will man diese Zahlen interpretieren, muss man immer mehrere Aspekte berücksichtigen", sagt Karl-Heinz Jelinek, Schmetterlingsexperte des NABU NRW. Zum einen sind die optimalen Bedingungen für jede Art verschieden, so benötigt das Tagpfauenauge beispielsweise andere Raupenfutter- und Nektarpflanzen als ein Bläuling oder Schornsteinfeger. Zum anderen sind die Arten von Klimaveränderung, Witterungsverhältnissen und Nitratreichtum der Umwelt durchaus unterschiedlich betroffen." Die Rückgänge einzelner Arten sollten daher insgesamt nie monokausal betrachtet werden, hier spielen meist verschiedenen Faktoren eine Rolle.

So sind die Beobachtungszahlen des Tagpfauenauges im Vergleich zum letzten Jahr wieder angestiegen. "Dem Tagpfauenauge hat der trockene Sommer 2018 massiv zugesetzt. Hier waren die Brennnesseln - die wichtigste Raupenfutterpflanze des Tagpfauenauges - bereits zum Zeitpunkt der Eiablage vertrocknet. Noch geschlüpfte Raupen fanden nichts mehr zum Fressen. Eine ganze Generation ist damit ausgefallen. Davon erholt sich die Art aber nun langsam wieder", so Jelinek, weiter.
Während der Distelfalter im letzten Jahr der zweithäufigste Schmetterling der elf im Fokus stehenden Arten der Zählaktion war, ist er in diesem Jahr wieder auf den letzten Platz gefallen. Ein Ergebnis, das aber zu erwarten war: "Die Masseneinwanderung wie wir sie im Jahr 2019 erleben durften, geschieht etwa alle 10 Jahre, ansonsten fliegt der Falter während des Zählzeitraums viel seltener durch NRW", erklärt Jelinek.

Die Zahlen des Schornsteinfegers sind mit wenigen Ausnahmengebieten, in den letzten Jahren in ganz NRW rückläufig "Es handelt sich hierbei um eine Waldrandart, die für ihre Entwicklung auf Waldsäume angewiesen ist. Diese Saumbereiche haben sich in den letzten 25 Jahren allerdings stark verändert. Sie sind weniger blütenreich, viele Bereiche sind eutrophiert und insgesamt werden Saumbereiche immer stärker zurückgedrängt. Diese Veränderungen könnten ursächlich sein für den Rückgang der Art", so der NABU-Schmetterlingsexperte.

Die Bläulinge sind als Artengruppe diesmal auf dem dritten Platz gelandet Die Unterscheidung der Arten im Flug ist nicht ganz einfach, weshalb bei der Zählaktion die Bläulinge allgemein betrachtet werden. "Der kleine blassblaue Faulbaumbläuling zählt dabei zu den häufigen Arten. Er kommt in unseren Gärten gut zurecht. Seine Raupenfutterpflanzen, wozu auch Blutweiderich oder Steinklee gehören, sind häufig zu finden. Zudem ist er nicht auf eine oder wenige Pflanzen spezialisiert, sondern kann mehrere Pflanzen zur Entwicklung nutzen. Andere Bläulingsarten hingegen werden immer seltener", weiß Jelinek. Und auch der Kleine Fuchs, der früher sehr häufig in NRW zu finden war, wird ebenfalls immer seltener gemeldet. Sein Verbreitungsgebiet scheint sich in die Gebirge und höheren Lagen zu verschieben. Sein Rückgang insbesondere im Tiefland wäre also vermutlich eher klimabedingt.

Mit der Zählaktion möchte der NABU NRW aufmerksam machen auf Schmetterlinge und möglichst viele Menschen dazu motivieren die Falter bei der Gestaltung von Garten und Balkon zu berücksichtigen: Mit naturnahem Gärtnern, den richtigen Pflanzen und einigen wilden Ecken, können unsere Gärten vielen Schmetterlingsarten Nahrung und Lebensraum bieten. Porträts der beliebtesten Pflanzen und tolle Beispielgärten sind unter www.schmetterlingszeit.de nachzulesen.

Dies allein wird aber nicht ausreichen, um den Schmetterlingen, weiteren Insektenarten sowie der Artenvielfalt insgesamt dauerhaft zu helfen. Um das Land Nordrhein-Westfalen dazu zu bewegen für die heimische Biodiversität ressortübergreifend mehr zu tun, hat der NABU NRW nun gemeinsam mit dem BUND NRW und der LNU die Volksinitiative Artenvielfalt NRW gestartet. Alle Bürger*innen sind aufgerufen, die Initiative für mehr Artenschutz durch ihre Unterschrift zu unterstützen. Mehr zur Kampagne der NRW-Naturschutzverbände unter www.artenvielfalt-nrw.de.

Quelle und Kontaktadresse:
(NABU) Naturschutzbund Deutschland Landesverband Nordrhein-Westfalen
Pressestelle
Völklinger Str. 7-9, 40219 Düsseldorf
Telefon: (0211) 159251-0, Fax: (0211) 159251-15
E-Mail: info@nabu-nrw.de
Internet: www.nrw.nabu.de/
(dvf, ds)