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Pressemitteilung

Frankreich und Industrie wollen EU-Tierversuchsverbot für Kosmetika kippen / Deutscher Tierschutzbund übt scharfe Kritik

(Bonn) - Deutliche Worte des Protests fand Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, für die Pläne der französischen Regierung und der Industrie, das EU-Tierversuchsverbot für Kosmetika zu kippen: „Unter fadenscheinigen Gründen verbergen Frankreich und die Industrie ihre wahren eigennützigen Interessen – jegliche Behinderung der Kosmetik-Industrie und ihrer Zulieferer zu verhindern. Gelingt es ihnen das Tierversuchsverbot für Kosmetika zu kippen, bedeutet dies, dass Jahr für Jahr weiterhin Zehntausende von Tieren leiden und sterben werden, nur damit es immer neue Luxusprodukte auf dem Markt gibt. Damit wenden sie sich gegen den Willen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Menschen wollen nicht, dass Tiere für überflüssige Produkte leiden und sterben.“

Die französische Regierung hat beim Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaft Klage gegen die neue EU-Kosmetikrichtlinie eingereicht. Fast zeitgleich reichte auch der Verband europäischer Hersteller von kosmetischen Inhaltsstoffen (European Federation for Cosmetic Ingredients), dem ca. 70 – darunter auch deutsche – Firmen angehören, beim Gericht erster Instanz der Europäischen Gemeinschaft Klage ein. Beide Klagen richten sich gegen das Europäische Parlament und den Ministerrat und zielen darauf, das EU-Tierversuchsverbot für Kosmetika zu kippen.

Frankreich, das Land mit dem weltweit größten Kosmetikunternehmen, L´Oréal, argumentiert in seiner Klage, dass der Gewinn für das Wohlergehen der Tiere unverhältnismäßig gegenüber den – angeblichen – Nachteilen bei der Umsetzung sei. Weiterhin wird angeführt, dass der Gemeinschaftsgesetzgeber die menschliche Gesundheit mit nicht hinnehmbaren Risiken belasten würde. „Die Rettung von über 38.000 Nagern, Kaninchen oder Hunden, die jährlich in der EU für die Entwicklung von Schönheitsmittelchen sterben, ist offensichtlich für die französische Regierung kein Gewinn“, kritisiert Apel. „Fadenscheinig ist auch die Aussage zur angeblichen Gesundheitsgefährdung durch ein Tierversuchsverbot seitens des Gesetzgebers. Vielmehr gefährdet die Industrie aus Profitgier die Gesundheit der Verbraucher, wenn sie diese immer neuen Inhaltsstoffen für Lippenstift und Co. aussetzt und ihren Produkten dann mittels wissenschaftlich fragwürdiger Tierversuche ein trügerisches Unbedenklichkeitszeugnis ausstellt. Weit über 8.000 altbewährte Inhaltsstoffe sind bereits verfügbar – weitere Tierversuche für neue Inhaltsstoffe sind schon lange völlig überflüssig, wie auch die Kosmetik-Positivliste des Deutschen Tierschutzbundes zeigt, deren Firmen seit 1979 auf Tierversuche für ihre Produkte und Inhaltsstoffe verzichten.“

Der Industrieverband begründet die Unzulässigkeit des Tierversuchsverbotes mit der Behinderung des freien Handels und damit, dass der Tierschutz nicht zu den Zielen des Binnenmarktes der EG gehöre.

Nach 13 Jahren intensiver Kampagnenarbeit von Tierschützern konnten im Januar dieses Jahres endlich gesetzliche Regelungen zur Abschaffung von Tierversuchen bei der Entwicklung von Kosmetika erarbeit werden. Am Ende zäher Verhandlungen zwischen EU-Parlament und Rat stand ein industriefreundlicher Kompromiss, welcher der Kosmetikindustrie weitere zehn Jahre einräumt, bevor diese weitestgehend auf Tierversuche verzichten muss.


Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Tierschutzbund e.V.
Baumschulallee 15, 53115 Bonn
Telefon: 0228/604960, Telefax: 0228/6049640
E-Mail: bg@tierschutzbund.de
Internet: www.tierschutzbund.de
(dvf)