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Pressemitteilung

Etikettierung bei Wurstsorten: Aufklären statt Vorverurteilen

(Bonn) - 'Wir wollen Aufklärung, aber keine Vorverurteilung', fordert Dr. Joachim Wiegner, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie e. V. (BVDF), in einem Pressegespräch vom 29. Januar. Entschieden wendet sich der Verband damit gegen die Ankündigung von sieben Bundesländern, Namen von Produzenten zu veröffentlichen, deren Etikettierung bei Wurstsorten widersprüchlich sind. 'Die geplante Veröffentlichung entbehrt jeglicher Rechtsgrundlage, die Messmethoden, die angeblich Rindfleisch nachweisen sind zu unsicher, Existenzen sind vorschnell unwiderruflich beschädigt', fasst Wiegner seine Kritik zusammen.

Der BVDF, der über 200 Fleischwarenhersteller vertritt, fordert anstelle einer schnellen Vorverurteilung der Hersteller getesteter Produkte, dass die Messverfahren schnellstmöglich verbessert und bundesweit einheitlich durchgeführt werden, um exakte Ergebnisse zu bekommen. Erst dann seien 'schwarze Schafe', die vorsätzlich falsche Etikettierung betreiben und den Verbraucher täuschen, wirklich auszumachen. Der Bundesverband steht daher in engem Kontakt mit der Arbeitsgruppe Immunologie im Arbeitskreis Lebensmittelhygienischer Sachverständiger (ALTS), die Analyseverfahren auf ihre Zuverlässigkeit hin überprüft. Darüber hinaus arbeitet der Verband in Zusammenarbeit mit privaten Labors mit Nachdruck an einer Verbesserung der Reagentien, um Falschaussagen künftig besser ausschließen zu können.


Unsichere Testverfahren
Hinsichtlich der Sicherheit der bisherigen Testergebnisse gibt es von wissenschaftlicher Seite große Bedenken. Professor Dr. Carsten Gissel vom Institut für Bakteriologie und Hygiene: 'Die bislang gebräuchlichen Untersuchungstests sind zu unsicher. Um ein eindeutiges Ergebnis zu erhalten, müssen verschiedene Methoden miteinander kombiniert werden, so dass nach positivem immunologischen Befund eine genetische Untersuchung folgt.' Zusätzlich zu dem bislang gebräuchlichen ELISA-Test (Enzym Linked Immunosorbent Assay) sollte einen IEF (Isoelektrische Fokussierung) durchgeführt werden.

Die selbe Empfehlung gibt auch der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde. In einem aktuellen Rundschreiben weist der BLL darauf hin, dass die angewandten Testmethoden störanfällig sind. So gibt es Testmethoden, die nicht nur auf Rindfleischprotein, sondern auch auf Proteine aus anderen Geweben des Rindes, wie aus Naturdärmen, deuten. Nach neuesten Erkenntnissen werden auch Molkenproteine von den Antikörpern erkannt. Denkbar wäre auch, dass Spuren von Blut - etwa infolge von Euterverletzungen - ein positives Testergebnis verursachen können. Auf diese Tatsache hat der BVDF die für die Lebensüberwachung zuständigen Behörden der Bundesländer bereits Ende Dezember in einem Schreiben hingewiesen.


Fehlende Rechtsgrundlage
'Eine behördliche Veröffentlichung der Herstellernamen kann vom Verbraucher in der jetzigen Situation nur als Warnung verstanden werden, eine Gefahr im Verzug ist jedoch nicht gegeben', klärt Prof. Dr. Ulrich Krell, Jurist für Lebensmittelrecht, auf. Für die Veröffentlichung der Na-men fehle deshalb die Rechtsgrundlage. Aus diesem Grund habe sich die Mehrheit der Länder auf der Bund-Länder-Sitzung am 18. Januar 2001 der Aktion nicht angeschlossen. 'Ein anderes Vorgehen ist rechtlich nicht haltbar', unterstreicht der Jurist.


Wirtschaftliche Folgen
Welche Folgen ungezügelter Aktionismus haben kann, macht Dr. Wiegner vom BVDF deutlich: 'Hier geht es um die wirtschaftliche Existenz von Unternehmen. Eine vorschnelle Verurteilung durch die Bundesländer nimmt die Bedrohung redlicher Unternehmen und ihrer Arbeitsplätze billigend in Kauf.' Dieses Vorgehen bedrohe 10.000 Stellen, das heißt jeden achten Arbeitsplatz in der Branche. Durch die Verbraucherverunsicherung aufgrund der BSE-Fälle in Deutschland musste in den zurückliegenden Wochen außerdem ein deutlicher Absatzrückgang hingenommen werden. Daraufhin haben zahlreiche Unternehmen ihre Rezepturen umgestellt und die Verarbeitung von Rindfleisch eingestellt. Der Bundesverband der deutschen Fleischwarenindustrie selbst hat erst kürzlich den freiwilligen Verzicht auf Fleisch erklärt, welches maschinell vom Knochen gelöst wird (Seperatorenfleisch).


Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie e.V.
Schedestr. 11, 53113 Bonn,Telefon: 0228/267250,Telefax: 0228/2672555
E-Mail: bvdf@compuserve.com
Internet: www.bvdf.de
(dvf)