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Pressemitteilung

Branche erwartet Beitragsplus

(Berlin) - In schwierigem Umfeld, bei anhaltender Arbeitslosigkeit, einer historisch hohen Steuer- und Abgabenlast sowie starkem Wettbewerbsdruck kann die deutsche Versicherungswirtschaft wieder mit einem kräftigeren Beitragswachstum aufwarten. Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) in Berlin mitteilt, werden die Beitragseinnahmen seiner Mitgliedsunternehmen 1999 - bei allerdings sehr unterschiedlicher Entwicklung in den einzelnen Bereichen - voraussichtlich um 3,7 (1998: 1,7) Prozent auf annähernd 246 (1998: 237,0) Milliarden DM zunehmen.

Für GDV-Präsident Dr. Bernd Michaels stellt das Umsatzwachstum isoliert betrachtet einen beachtlichen Erfolg dar. "Allerdings ist die erfreuliche Geschäftsentwicklung auch im Zusammenhang mit Sonderfaktoren, wie den Steuerplänen der Bundesregierung zu sehen, die im laufenden Jahr den Lebensversicherern zwar noch einmal einen kräftigen Zulauf bescherten, bei Inkrafttreten jedoch der privaten Altersvorsorge in Deutschland künftig schwersten Schaden zufügen werden." Damit die gerade wieder anziehende Versicherungskonjunktur nicht Episode bleibe, müsse sich auch der steuerpolitische Gegenwind erst wieder legen, der durch das sozialpolitisch falsche Gesetzesvorhaben erzeugt werde.

Lebensversicherung trägt Beitragswachstum
Hinter dem erwarteten Branchenwachstum verbirgt sich - wie in den Jahren zuvor - ein differenziertes Bild in den Hauptsparten der Assekuranz: Für die Lebensversicherung und die private Krankenversicherung kann mit einem Umsatzplus von 7,9 (1998: 4,0) Prozent bzw. 3,2 (1998: 4,1) Prozent auf knapp 111 bzw. rund 39 Milliarden DM gerechnet werden. Dagegen führt der anhaltende Preis- und Tarifwettlauf, der zunehmend auch auf die gewerblichen und privaten Risiken übergreift, in der Schaden- und Unfallversicherung zu einem erneuten Rückgang der Beiträge auf gut 93 Milliarden DM. Mit minus 0,6 (1998: minus 1,4) Prozent wird dieser Umsatzverlust jedoch deutlich geringer als im Vorjahr ausfallen. In den einzelnen Zweigen der Schaden- und Unfallversicherung zeichnet sich folgende Beitragsentwicklung ab:

In der Autoversicherung, dem mit Abstand größten Schadenzweig, ist das Beitragsvolumen nur noch schwach rückläufig. Es sinkt um minus 0,7 (1998: minus 3,8) Prozent auf annähernd 39 Milliarden DM. Dabei vermindern sich die Einnahmen in der Kfz-Haftpflichtversicherung um 0,5 (1998: minus 3,2) Prozent und in Teilkasko um 3,0 (1998: minus 5,6) Prozent. Für Vollkasko wird nach einem Beitragsminus von 4,5 Prozent im Vorjahr für 1999 ein Nullwachstum erwartet.

Der deutlichste Beitragsrückgang ist einmal mehr in der Industriellen Feuerversicherung zu verzeichnen; hier werden die Einnahmen voraussichtlich um 16,5 (1998: minus 18,6) Prozent auf 2,3 (1998: 2,76) Milliarden DM sinken. Auch in den Technischen Versicherungszweigen wird der Geschäftsverlauf mit einem Umsatzminus von 5 (1998: minus 3,9) Prozent auf 2,6 Milliarden DM pessimistisch eingeschätzt. Für die gewerblichen und landwirtschaftlichen Sachversicherungen zeichnen sich Mindereinnahmen von minus 3 (1998: minus 0,3) Prozent bzw. minus 5,5 (1998: minus 3,5) Prozent ab. Vom privaten Sachgeschäft (Hausrat, Wohngebäude, Glas) gehen bei einem geringfügigen Beitragsplus von lediglich 0,5 (1998: 1,4) Prozent auf 12,5 Milliarden DM in diesem Jahr keine Wachstumsimpulse aus. Höhere Einnahmen werden lediglich in der Rechtsschutzversicherung (plus 2,5 Prozent), der Allgemeinen Unfallversicherung (plus 2 Prozent) und in der Allgemeinen Haftpflichtversicherung (plus 1 Prozent) erwartet.

Belebtes Neugeschäft
Die Entwicklung des Neuzugangs in der Lebensversicherung ist 1999 stark von Sonderfaktoren geprägt. Zum einen wird vielfach die vom Gesetzgeber vorgesehene Frist zum Abschluß befreiender Lebensversicherungen genutzt, nachdem die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung auf arbeitnehmerähnliche Selbständige ausgedehnt wurde. Zum anderen nehmen weite Kundenkreise angesichts der drohenden Steuerpläne verständlicherweise die bisherigen Anreize zum Aufbau einer steuerlich unangetasteten privaten Altersvorsorge durch kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen in Anspruch.

Die Lebensversicherer erwarten 1999 einen Neuabschluss von 7,45 Millionen Verträgen, wobei sich laufende Beiträge und Einmalbeiträge beim Neuzugang unterschiedlich entwickeln. So erhöhten sich im ersten Halbjahr 1999 die Einmalbeiträge um 44,4 Prozent auf 6,32 Milliarden DM, während die laufenden Beiträge mit 6,03 Milliarden DM um 14,6 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert lagen. Insgesamt sind die Beiträge aus dem Neuzugang damit deutlich stärker gestiegen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (Einmalbeiträge plus 15,1 Prozent, laufende Beiträge minus 2,4 Prozent).

Die privaten Krankenversicherungsunternehmen verzeichneten zum 30. Juni 1999 einen Nettoneuzugang von rund 70 200 Personen. Damit hatten insgesamt fast 7,3 Millionen Versicherte eine Krankheitskostenvollversicherung. Die starken unterjährigen Schwankungen im Bestand erlauben zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch noch keine Prognose für das gesamte Jahr.

Trotz schwieriger Konjunktur erwarten auch die Autoversicherer ein Bestandsplus: Während sich die Zahl der versicherten Risiken in der Kfz-Haftpflichtversicherung voraussichtlich um 2,5 Prozent auf rund 51 Millionen erhöht, halten in Teilkasko die Bestandsverluste 1999 weiter an; hier dürfte die Zahl der versicherten Risiken um rund 200 000 auf 19,5 Millionen zurückgehen. In der Vollkaskosparte wird eine Bestandsausweitung um 7 Prozent auf gut 19 Millionen versicherte Risiken erwartet. Beim Abschluß neuer Sachversicherungen halten sich die Verbraucher dagegen noch stärker zurück als im Jahr zuvor; schon 1998 hatte sich die Zahl der Sachversicherungsverträge lediglich um 0,3 Prozent auf 66,7 Millionen erhöht.

290 Milliarden DM Gesamtleistungen
Die von den GDV-Mitgliedern erbrachten Versicherungsleistungen steigen mit 7,6 (1997: 4,7) Prozent wieder sehr viel stärker als die Beitragseinnahmen. Das Leistungsvolumen von rund 290 (1997: 269,6) Milliarden DM fällt dabei deutlich höher als das Beitragsaufkommen aus, weil hier nicht nur die Auszahlungen an die Kunden, sondern auch die Rückstellungen für eingetretene und künftige Versicherungsfälle sowie Beitragsrückerstattungen erfaßt werden.
Weit mehr als die Hälfte des Leistungsvolumens wird mit gut 165 Milliarden DM auf die Lebensversicherung entfallen, wobei die Auszahlungen mit 85,7 Milliarden DM und die den Leistungsreserven zugeführten Beträge mit 79,4 Milliarden DM veranschlagt werden. In der privaten Krankenversicherung dürften sich die Aufwendungen für Krankheitskosten und Rückstellungen um 7,0 (1998: 6,7) Prozent auf 45,5 Milliarden DM erhöhen. Bei den Krankheitskosten beträgt der Anstieg voraussichtlich 5,1 (1998: 4,6) Prozent.

Schadenbild mit Licht und Schatten
In der Schaden- und Unfallversicherung entwickelt sich der Schadenaufwand unterschiedlich. Während vor allem in der Kraftfahrtversicherung der Schadendruck wieder zunimmt, hellt sich das Schadenbild im Bereich der Sachversicherungen weiter auf. Insgesamt rechnen die Schaden- und Unfallversicherer mit Aufwendungen für Schäden in Höhe von 77,2 Milliarden DM. Dies wäre ein Anstieg um 1,3 Prozent, und damit deutlich geringer als im Jahr zuvor (plus 2,3 Prozent).

In der Kraftfahrtversicherung, die mit einem Zuwachs der Schäden von mehr als 4,5 Prozent rechnet, wird der Schadenaufwand erneut um knapp 4 Prozent auf ca. 40,5 (1998: 39,1) Milliarden DM anwachsen. Bei weiter schrumpfenden Einnahmen ist damit ein Verlust in der Größenordnung von 4 (1998: minus 2,3) Milliarden DM wahrscheinlich. Allein in der Kfz-Haftpflicht drohen nach einem Verlust von 2,3 Milliarden DM im Vorjahr jetzt rote Zahlen, die sogar die 4-Milliarden-DM-Grenze übersteigen könnten. Auch in Vollkasko fällt das technische Ergebnis erstmals nach mehreren Jahren negativ aus. Steigende Schadenaufwendungen und mehr gemeldete Schäden werden bei einem Absinken der Durchschnittsprämie zu einem Verlust von etwa 330 (1998: plus 323) Millionen DM führen. Lediglich Teilkasko wird bei kaum verändertem Schadenaufwand einen, wenn auch gegenüber dem Vorjahr verringerten Gewinn von 354 (1998: 494) Millionen DM schreiben.

In der Sachversicherung hingegen könnte der Schadenaufwand nach derzeitigem Stand um bis zu 3 (1998: minus 0,3) Prozent zurückgehen. Dies setzt jedoch voraus, daß bis zum Jahresende keine außerordentlichen Belastungen durch Großbrände und durch Naturereignisse mehr eintreten. Dennoch zeichnet sich in der Industriellen Feuerversicherung durch den beispiellosen Preisabrieb erneut ein Verlust ab, der die Größenordnung des Vorjahres übersteigen dürfte. Auch bei den Technischen Versicherungen setzt sich der Trend zunehmender Schadenaufwendungen fort; hier ergab sich für die ersten sechs Monate ein leichtes Plus von 0,5 Prozent. In der Wohngebäude- und in der Hausratversicherung wird hingegen ein Rückgang der Aufwendungen um knapp 2 bzw. 1.5 Prozent erwartet, wobei in der Hausratsparte eine Zunahme der Feuerschäden zu konstatieren ist, während die Schadenlast durch Einbruchdiebstahl weiter abnimmt. Die Transportversicherer melden ein gleichbleibendes hohes Schadenniveau bei leicht rückläufiger Beitragsentwicklung.

Assekuranz 2000 mit realer Stagnation
Die Auswirkungen des vorliegenden Gesetzentwurfes zur Besteuerung kapitalbildender Lebens- und Rentenversicherungen sind für die gesamte Branche massiv, weil die Lebensversicherung in den letzten Jahren ein Wachstumsmotor der Versicherungswirtschaft war. Dr. Michaels: "Gerät dieser Motor ins Stocken, verringert sich das Branchenplus im Jahr 2000 auf allenfalls 1 Prozent. Bei einer prognostizierten Preissteigerungsrate von 1,5 Prozent für das nächste Jahr ist eine solche Entwicklung gleichbedeutend mit realer Stagnation." Wenn das Gesetz durchkomme, sei eine Fortsetzung der Beitragssteigerung für die Lebensversicherung nicht nur für das Jahr 2000, sondern auch für die Folgejahre nahezu ausgeschlossen. "Wir rechnen dann mit einer - hoffentlich - schwarzen Null. Je nach Geschäftsstruktur sind Einbrüche im Neugeschäft für viele Unternehmen unvermeidbar. Selbst wenn es zu keiner gesetzlichen Regelung kommt, wird das Beitragswachstum deutlich niedriger ausfallen, weil erhebliches Neugeschäft in der Lebensversicherung aus dem Jahr 2000 bereits 1999 realisiert worden ist."

Für die private Krankenversicherung darf dagegen mit einer positiven Entwicklung im Neugeschäft gerechnet werden, hier erscheint ein Umsatzwachstum von 5 Prozent durchaus realistisch. Die Schaden- und Unfallversicherer erwarten nach den Beitragseinbrüchen der Jahre 97 bis 99 im Jahr 2000 wieder ein leichtes Beitragsplus von 0,5 Prozent. Insbesondere im Bereich der Autoversicherung könnte die Talsohle durchschritten zu werden, während in der gesamten Sachversicherung ein weiterer Beitragsrückgang wahrscheinlich ist.



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(dvf)