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06.02.2012 08:33

Stiftungssektor stabil auf Wachstumskurs: 817 neue Stiftungen im letzten Jahr


817 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts sind im Jahr 2011 neu errichtet worden, wie der Bundesverband Deutscher Stiftungen Ende letzter Woche in Berlin auf seiner Jahrespressekonferenz mitteilte. Der Bestand der Stiftungen erreicht mit 18.946 Stiftungen ein historisches Hoch.
Bleibt diese Dynamik weiter bestehen, wird sich die Zahl der Stiftungen in Deutschland noch vor 2050 verdreifachen. „Die erneut hohe Zahl an Neugründungen hat mich überrascht. Ungeachtet der Sorgen um den Euro und die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise, zeigen sich Stifter in Gründerlaune. Die Rechtsform Stiftung bleibt weiter attraktiv für nachhaltiges, bürgerschaftliches Engagement. Aber letztlich kommt es nicht auf die bloße Zahl der eigenständigen Stiftungen an. Zuweilen ist eine Zustiftung in eine bereits bestehende Stiftung oder ein Stiftungsfonds die bessere Alternative, auch wenn diese nicht in die Neugründungsstatistik einfließen. Kleinststiftungen sind auf lange Sicht meist kaum lebensfähig“, so Dr. Wilhelm Krull, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und Generalsekretär der VolkswagenStiftung.

Zunehmend prekär: die Vermögensbewirtschaftung
Die Mehrzahl der Stiftungen leidet unter dem aktuell niedrigen Zinsniveau. Dazu Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen: „Wohin mit dem wieder anzulegenden Geld: Diese Frage ist für Stiftungen zunehmend schwieriger zu beantworten. Mit ihren bislang bewährten auf Sicherheit ausgerichteten Anlagestrategien schaffen viele Stiftungen es nicht mehr, die Ziele Sicherheit, Vermögenserhalt und ausreichende Erträge für den gemeinnützigen Zweck unter einen Hut zu bringen. Wir empfehlen diesen Stiftungen auch stärker in nachhaltige Wirtschaft zu investieren.“

NRW: Land mit den meisten Stiftungen / Hamburg: Stadt mit den meisten Stiftungen
Die meisten Stiftungsneugründungen in absoluten Zahlen entfallen auf die Flächenländer Nordrhein-Westfalen (167), Baden-Württemberg (146) und Bayern (141); die wenigsten Errichtungen gab es in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils 6) und in Bremen (5). Die Zahl der Gründungen im Verhältnis zur Einwohnerzahl ergibt ein abweichendes Bild: Danach rangiert Hamburg mit einer Errichtungsdichte von 1,68 Stiftungen pro 100.000 deutlich über dem Bundesdurchschnitt auf Platz 1. Den letzten Platz belegt Thüringen mit einer Errichtungsdichte von 0,27. In der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt veranstaltet der Bundesverband Deutscher Stiftungen vom 20.-22. Juni 2012 den Deutschen StiftungsTag, um den Stiftungsgedanken im Osten weiter zu popularisieren.

Denn auf die fünf ostdeutschen Flächenländer entfallen nur 7,5 Prozent aller Neugründungen des vergangenen Jahres. Sachsen führt das ostdeutsche Ranking mit 23 vergebenen Anerkennungsurkunden an.

Das stiftungskritische DDR-Regime hat auch im Bestand der ostdeutschen Stiftungen weitreichende Spuren hinterlassen: Lediglich 6,5 Prozent aller bundesdeutschen Stiftungen sind zwischen Stralsund und Plauen angesiedelt.

Das Bundesland mit den meisten Stiftungen bleibt Nordrhein-Westfalen mit 3.661 Stiftungen. Doch bezogen auf die Einwohnerzahl zeigt sich das bevölkerungsreichste Flächenland nur unterdurchschnittlich: Pro 100.000 Einwohner haben dort 20,5 Stiftungen ihren Sitz. Im Mittel aller Bundesländer sind es 23,2.