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16.01.2012 12:00

Geht es der Schaltsekunde an den Kragen?


Zeit ist nicht gleich Zeit – alle vier Jahre wird ein Schaltjahr eingeführt, das den Februar um einen Tag verlängert. Alle paar Jahre wird eine Schaltsekunde beschlossen. Der könnte es nun an den Kragen gehen, wenn sich die „Radiocommunication Assembly“ ab heute in Genf trifft.
Das um einen Tag längere Schaltjahr gleicht das planmäßige Kalenderjahr mit dem Sonnenjahr, also die Reise der Erde um die Sonne, ab. Diese vierjährliche Synchronisierung dient dazu, dass der kalendarische immer mit dem jahreszeitlichen Sommer zusammenfällt und nicht irgendwann in den Winter. Soweit so gut. Die Schaltsekunde synchronisiert die astronomische – also atomgemessene – Zeit mit der „bürgerlichen Zeit“. Nach diesem physikalischen Maßstab ist eine Sekunde das 9.192.631.770-fache der Periodendauer der dem Übergang zwischen den beiden Hyperfeinstrukturniveaus des Grundzustandes von Atomen des Nuklids Cäsium 133 entsprechender Strahlung. Definiert Bundesamt für Metrologie METAS in der Schweiz. Diese Schwingstrahlung des Cäsiums-Atoms entspricht aber nicht einhundertprozentig der traditionellen, der erlebten Zeit. Dort ist eine Sekunde der sechzigste Teil einer Minute, die wiederum im 60er Paket eine Stunde und die zu 24 Stücken einen Tag ausmachen. Ausgehend von einer Erdrotation.

Nun dreht sich die Erde nicht immer gleich, sie wird mal langsamer und mal schneller. Vor allem die sogenannte Gezeitenreibung bremst die Rotation ab. Der Mond wirkt auf die Erde nicht nur in der Weise zurück, als dass er maßgeblich den Tidenhub der Flut bewirkt, sondern durch seine eigene Masse die Rotation der Erde leicht verlangsamt. Täglich um etwa 16 Mikrosekunden.

Zu diesem Zeitpunkt schlägt die Stunde der Schaltsekunde. Um möglichst zwischen der astronomischen Zeit und der Weltzeit nach den Atomuhren keinen Unterschied anwachsen zu lassen, wird die Atomzeit um genau eine Sekunde angepasst, sobald der Unterschied mehr als 0,9 Sekunden beträgt. Bisher ist diese Anpassung 24 Mal durch die „Radiocommunication Assembly“ beschlossen worden. Die Neu-Kalibrierung erfolgt meistens zum Jahreswechsel oder zum 30. Juni eines Jahres, so dass kurz vor Mitternacht, um 00:00:00 Uhr, noch eine Sekunde eingefügt wird. Die Atomuhren ticken von 23:59:59 Uhr auf 23:59:60 Uhr auf 00:00:00 Uhr. Ein solcher Einschub ist für dieses Jahr am 30. Juni 2012 geplant, damit auch in Zukunft sichergestellt wird, dass die Sonne nicht während der Mittagszeit untergeht.

Die Diskussion in der internationalen Fernmeldeunion (ITU) in deren Rahmen vom 16. bis 20. Januar die „Radiocommunication Assembly“ tagt, wird entlang der technischen Notwendigkeiten und der Relevanz geführt. Die Gegner der Schaltsekunde argumentieren, dass es für viele technische Geräte Schwierigkeiten gebe, die zusätzlichen Sekunden zu implementieren, es im Gegenzuge für „Otto Normalverbraucher“ keinen Unterschied mache, ob die Sekunde eingeführt werde oder nicht. Zumal auch erst nach 550 Jahren die Unterschiede zwischen astronomischer und atomarer Zeit sich auf eine Stunde addierten. Und bis dahin vergehe noch viel Zeit. Inwieweit die Versammlung eine Entscheidung herbeiführen wird, bleibt abzuwarten. (tr/cl)