Deutsches Verbände ForumDas Informationsportal über & für Verbände

In Kooperation mit dem Netzwerk der

In Kooperation mit dem Netzwerk der

dgvm

Deutsches Verbände ForumInformationsportal über
& für Verbände

verbaende.com
25.04.2012 09:47

Die Welt wird nicht komplexer, nur individueller / Online-Kommunikation


Es ist kein Geheimnis, dass Privatsphäre und Datenschutz im Internet eine überragende Stellung in der Öffentlichkeit einnehmen. Fast 80 Prozent aller deutschen Onliner messen der Privatsphäre eine hohe Bedeutung bei, fand TNS Infratest kürzlich heraus. Onliner sind diejenigen Menschen, die einen Großteil ihrer Freizeit mit Aktivitäten im Internet verbringen.
Weiter fanden die TNS-Forscher heraus, dass „nahezu 70 Prozent aller Netzwerknutzer befürchten, eine beunruhigend hohe Menge von persönlichen Daten in sozialen Netzwerken“ abgelegt zu haben. Dem engagierten – und freiwilligen! – Surfen bei Facebook, Google+ und Co. steht die Befürchtung gegenüber, dass die eigenen Daten von diesen Unternehmen nicht ausreichend geschützt seien. Und trotzdem steigen die Nutzerzahlen von Diensten und Angeboten, bei denen festgestellt wird, dass hier aus Nutzersicht noch Optimierungspotential beim Thema Privacy besteht. Ein „handfester Widerspruch“, befand TNS.

„Es ist mittlerweile keine Überraschung mehr, dass diese Themen hierzulande eine hohe Relevanz haben. Um Antwort auf diese und weitere Fragen zu finden haben wir gemeinsam mit der Universität Bonn fünf Thesen mit folgenden Schwerpunkten formuliert“, erklärt Carsten Theisen von TNS Infratest.

Die These vom „unbekümmerten Nutzer“: Dieser Nutzer steht seinen eigenen Online-Aktivitäten ohne Vorbehalte hinsichtlich Datenverwendung und Privatsphäre gegenüber. Auch sine Anti-These existiert. Das ist der Nutzer, dem „das hohe Gut Privacy“ über alles gehe und Datenschutz ein Grundrecht erster Ordnung sei. Drittens stehe fest, sind sich die Bonner Hochschul-Lehrer und Meinungsforscher sicher, dass es viele Facetten in diesem Spannungsfeld gibt. Mehr als in anderen soziologischen Gruppen unterscheide sich der Nutzer nach Herkunft, Alter und Bildung. Aber mindestens ebenso nach genutzter Technik, des gelernten Umgangs und der Alltäglichkeit von Online-Erfahrungen. „Da für jüngere Nutzer das Internet nicht separat, sondern als Teil des normalen Lebens gesehen wird, ist auch der Austausch von persönlichen Daten und Gesprächen hier normal. Je nach Alter variiert auch der Glaube an die eigene technische Kompetenz (je jünger, desto mehr Kompetenz), der sich auf die Einschätzung der Kontrollierbarkeit (je stärker dieser Glaube, desto kontrollierbarer) von Datenschutzproblemen auswirkt“, schreiben Theisen und Andreas Mühlichen von der Uni Bonn in der Online-Ausgabe der Financial Times Deutschland.

Viertens postulieren Theisen und Mühlichen eine Art Technik-Dogma: Je stärker die Nutzer auf Cloud- und Mobile-Dienste zurückgreifen, akzeptieren sie in gleichem Maße, dass sich der Schutz der persönlichen Daten erschwert. Also: Wer seine Daten ausschließlich online speichert, für den nimmt der Datenschutz eine geringere Wichtigkeit ein. Die technische Möglichkeit, immer und überall auf seinen Kalender zugreifen können, überwiegt klar.

In einer fünften These setzen sich die Forscher mit Marken auseinander. Das „individuelle Misstrauen wird durch den Verlust des Einflusses auf Datenströme im Internet wachsen“.

Was aber bringen diese Thesen? „Es ist wichtig, dass wir uns heute mit diesen Hypothesen auseinander setzen, um Schwierigkeiten in der Zukunft möglichst zu vermeiden. Daraus können sich ebenso Informations- und Aufklärungskampagnen entwickeln, wie auch eine angepasste und weiter entwickelte Gesetzeslage in Bereichen, die zurzeit noch nicht klar definiert sind“, so Theisen.

Damit müsse auch die Kommunikation Vertrauen aufbauen, und deutlich persönlicher auf jeden einzelnen Nutzer ausgerichtet sein. So unübersichtlich das Internet mit all seinen Möglichkeiten und Techniken ist, so mannigfaltig sind auch die Motive und Sorgen der Nutzer. Die Welt ist nicht komplexer, nur weil der Nutzer individueller ist. Diese Erkenntnis sollte auch bei Veränderungsprozessen und der Einführung von IT-Neuerungen in den Fokus genommen und möglichst situationsbezogen auf den einzelnen Nutzer hin ausgerichtet werden. (tr)