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Pressemitteilung

Möbelindustrie mit ca. 3,5 Prozent Umsatzplus in 2016 / Allzeithoch mit 18 Mrd. Euro Gesamtumsatz / Probleme durch Importdruck und schwindende Margen bleiben

(Bad Honnef) - Die deutsche Möbelindustrie wird zum Ende des Jahres 2016 zum dritten Mal hintereinander ein Umsatzplus verzeichnen und erstmals die 18-Milliarden-Umsatzgrenze knacken. Auch in 2017 erwartet die heimische Möbelindustrie ein weiteres Wachstum.

Für das gerade abgelaufene Jahr 2016 waren wir optimistisch, wussten jedoch, dass von dem hohen Niveau des Jahres 2015 (seinerzeit +6,2 Prozent) weitere Steigerungen schwierig sein würden. Dennoch ist dies unseren Herstellern mit viel Kraftaufwand und Energie gelungen: In den ersten drei Quartalen verzeichneten wir - wenn auch in den Segmenten sehr unterschiedlich - ein Plus von 4,0 Prozent. Zum Beginn des 4. Quartals ist es dann aufgrund einer etwas schlechteren Konsumneigung der Endverbraucher zu einer Abkühlung der Entwicklung gekommen. Wir rechnen aber dennoch mit einem Umsatzplus von rund 3,5 Prozent auf ca. 18 Mrd. Euro in 2016. Dies ist ein neues Allzeithoch, welches sowohl das Vorkrisenniveau bis 2008 übersteigt als auch den historisch starken Möbelumsatz nach der Wiedervereinigung übertrifft.

Dieses Umsatzplus setzt sich nach den Daten des Statistischen Bundesamtes für die ersten zehn Monate 2016 wie folgt zusammen: Das Segment der Wohnmöbel zeigt ein Umsatzplus von 2 Prozent auf 6 Mrd. Euro. Dieses Teilsegment umfasst in der amtlichen Auswertung Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbel sowie Kleinmöbel, nicht gepolsterte Sitzmöbel und Möbelteile. Unsere Küchenhersteller erreichten ein Plus von 4,1 Prozent auf einen neuen Rekordwert von fast 4 Mrd. Euro. Das Segment Büromöbel wuchs um 5,7 Prozent auf knapp 1,8 Mrd. Euro. Die Laden- und Objektmöbelhersteller erreichten bei einem Plus von 8,3 Prozent einen Umsatz von knapp 1,5 Mrd. Euro. Bei Matratzen verzeichnen wir allerdings ein Umsatzminus von 3,7 Prozent auf eine Dreiviertelmilliarde Euro. Für die Polstermöbelindustrie weist die amtliche Statistik ebenfalls einen Umsatzrückgang um 4 Prozent auf fast 0,84 Mrd. Euro aus.

Die amtliche Auswertung erfasst alle in Deutschland produzierten Möbel. Von deren Gesamtumsatz gingen in den ersten 10 Monaten 2016 fast 32 Prozent direkt ins Ausland. Vor zehn Jahren lag diese Quote noch bei vergleichsweise mageren 24,6 Prozent - ihr kontinuierlicher Anstieg ist ein eindrucksvoller Beleg für die hohe internationale Wertschätzung für deutsche Möbel und dafür, dass das Auslandsgeschäft eine wichtige Säule für unsere Unternehmen darstellt.

Auch für das Jahr 2017 ist die Branche zuversichtlich, denn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben gut. Zwar wird sich nach den jüngst veröffentlichten Gutachten der Wirtschaftsinstitute das Wachstum in Deutschland 2017 verlangsamen. Die Einschätzungen variieren hier zwischen 1,1 und 1,7 Prozent. Aber damit gibt es noch immer einen moderaten Aufschwung und die stabilen Prognosen zu Beschäftigung und niedriger Arbeitslosigkeit werden auch im kommenden Jahr positiven Einfluss auf das Käuferverhalten haben. Zudem wird der wirtschaftliche Erfolg unserer Möbelhersteller maßgeblich von der Bautätigkeit beeinflusst, da fertiger Wohnraum eingerichtet werden will. Die Bautätigkeit wächst deutlich stärker als die Gesamtwirtschaft und dies wird uns in 2017 helfen. Zumal auch die Bundespolitik das Thema Wohnungsbauförderung für sich neu entdeckt hat und mit dafür Sorge tragen wird, dass mehr Häuser und Wohnungen gebaut werden. Schon jetzt ist erkennbar, dass die Parteien im bevorstehenden Bundestagswahlkampf mit dem Thema punkten wollen.

Dies kann der Möbelindustrie nur gut tun. Denn natürlich hat unsere Branche auch in 2017 mit den bekannten Problemen zu kämpfen: nach wie vor bleibt die große Importschwemme, nach wie vor bleibt der enorme Druck auf die Marge, der Investitionen in dringend notwendige neue Techniken und Digitalisierung erschwert. Es kann daher auch trotz Umsatzzuwächsen der Branche zu Schieflagen einzelner Unternehmen kommen.

Die durchschnittliche Zahl der in den ersten zehn Monaten 2016 produzierenden Möbelfirmen in Deutschland lag bei 499 - die Zahl blieb also im Wesentlichen unverändert (-0,1 Prozent). Die Zahl der Beschäftigten stieg leicht um 0,4 Prozent auf 84.137.

Der gesamte Möbelexport stieg in den ersten drei Quartalen 2016 um 1,2 Prozent auf 7,7 Mrd. Euro. Der Absatz in die EU-Länder entwickelte sich mit einem Plus von 2,4 Prozent auf 5,4 Mrd. Euro besonders positiv. Die Ausfuhren in unseren wichtigsten internationalen Absatzmarkt Frankreich sanken minimal um 0,1 Prozent und auch die Schweiz als zweitwichtigster Markt entwickelte sich mit minus 0,3 Prozent negativ. Die Ausfuhren in die Niederlande - früher Hauptexportland und dann nach einem großen Einbruch 2008 jahrelang das Sorgenkind unserer Hersteller - konnten dagegen um 9 Prozent gesteigert werden. Die Exporte nach Italien stiegen um 5,8 Prozent und nach Belgien um 5,1 Prozent. Der Brexit hatte bisher noch keine spürbaren negativen Auswirkungen auf die deutschen Möbelexporte - die deutschen Ausfuhren über den Ärmelkanal wuchsen von Januar bis September 2016 um 4,7 Prozent. Absehbar ist allerdings, dass der Brexit spätestens 2017 und in den Folgejahren unsere Ausfuhren - schon alleine durch Wechselkursschwankungen - erheblich behindern wird. In den spanischen Markt legten die deutschen Möbelexporte um 3,3 Prozent zu. Weniger Möbel konnten hingegen nach China und in die USA geliefert werden.

Die Importe entwickelten sich mit einem Plus von 1,9 Prozent in den ersten drei Quartalen auf ein Gesamtvolumen von 9,3 Mrd. Euro. Die meisten Möbel kamen mit einem weiter wachsenden Wert von fast 2,5 Mrd. Euro aus Polen. Dann folgen China, leicht nachgebend auf 1,4 Mrd. Euro, und Tschechien mit einem Wachstum auf gut 1,2 Mrd. Euro.

Diese Entwicklung beobachten wir mit Sorge, denn damit wächst der Import weiterhin stärker als unsere Exporte. Dadurch ergibt sich auch eine weitere Steigerung der Importpenetrierung des deutschen Möbelmarktes. Zwar hat sich diese - in den letzten Jahren teils starke - Entwicklung verlangsamt. Aber in 2016 ist die Quote der Möbel ausländischer Herkunft im deutschen Handel um weitere zwei Prozentpunkte auf nunmehr 64 Prozent gestiegen.

Aber dies soll nicht den Blick verstellen auf die insgesamt erfolgreiche Entwicklung unserer Branche und die guten Aussichten für das neue Jahr. Unsere deutschen Hersteller liefern weiterhin außergewöhnlich hohe Qualität mit dem Anspruch besonderer Nachhaltigkeit und hervorragendes Design, auf das wir zu Recht stolz sind und das auch international stark nachgefragt wird. Das Messedoppel imm und LivingKitchen 2017 wird unserem Industriezweig zusätzlich Impulse geben.

In der Gesamtbewertung erwarten wir für das kommende Jahr 2017 daher ein weiteres Umsatzplus von bis zu zwei Prozent. Nach den Steigerungen der letzten Jahre wäre dies ein erneuter Erfolg.

Quelle und Kontaktadresse:
Verband der Deutschen Möbelindustrie e.V.
Achim Hannott, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Flutgraben 2, 53604 Bad Honnef
Telefon: 02224 9377-0, Fax: 02224 9377-77
E-Mail: presse@moebelindustrie.de
Internet: http://www.moebelindustrie.de
(dvf, wl)