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Pressemitteilung

Diskussion um verbindliche Grundschulempfehlung / Alte Reflexe helfen nicht gegen steigende Heterogenität

(Berlin) - "Eine Empfehlung der Grundschullehrkraft ist wohl begründet und bezieht sowohl die Leistungen, auch im Kontext der Mitlernenden, die Sicht auf die bisherige Entwicklung und das weitere Potenzial des Kindes mit ein. Sie darf aber kein Damoklesschwert sein. Das Elternrecht und die damit verbundene Verantwortung der Eltern für ihr Kind haben einen hohen Stellenwert. Der beste Weg ist und bleibt daher eine funktionierende Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Lehrkräften, innerhalb der sich offen über Stärken und Schwächen des Kindes ausgetauscht werden kann, um eine gut begründete Entscheidung für die weiterführende Schule zu treffen. Nicht umsonst orientieren sich auch in den Bundesländern, in denen die Empfehlung nicht verbindlich ist, die meisten Eltern an dieser Einschätzung. In Ländern, in denen die Grundschulempfehlung verbindlich ist, umgehen Eltern, die damit nicht einverstanden sind und es sich finanziell leisten können, diese, indem sie ihre Kinder auf Privatschulen schicken", erklärt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), anlässlich der Debatte zu den neuen Regelungen in Baden-Württemberg (verpflichtende Vorlage der Grundschulempfehlung) und den weiteren Überlegungen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Der VBE-Chef erläutert: "Die Forderung nach einer verbindlichen Grundschulempfehlung basiert auf dem alten absurden Denken, dass Kinder am Ende der Grundschulzeit zielsicher in die drei Kategorien praktisch Begabte (Hauptschüler), theoretisch-praktische Begabte (Realschüler) und theoretisch Begabte (Gymnasiasten) einordenbar sind. Ich dachte, dass wir bereits weiter wären. Die Entwicklung von Kindern ist nicht immer vorhersehbar. Zudem sehen wir, dass die Schülerschaft immer heterogener wird und wir die Schülerinnen und Schüler individueller fördern müssen. Dieser Herausforderung müssen sich alle Schulformen und -arten gleichermaßen stellen. Die Illusion, an einzelnen Schulformen leistungshomogene Lerngruppen zu haben, ist absurd!"

Den Vorschlag, Tests zur Leistungsfeststellung in der vierten Klasse durchzuführen, sieht er äußerst kritisch: "Niemand kann ernsthaft wollen, dass schon Grundschüler ein Mini-Abitur machen und derart unter Stress gesetzt werden. Allein, was das Erreichen eines bestimmten Notendurchschnitts schon für einen Druck erzeugt, sehen wir mit dem Blick nach Bayern. Dies trägt allenfalls dazu bei, den privaten Nachhilfemarkt zu stärken." Laut Beckmann ist es wichtiger, ein funktionierendes Übergangsmanagement zu etablieren und die Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Bildungsgängen möglichst lange offen zu halten. "Die Absprache zwischen den Grundschulen und den weiterführenden Schulen und die Weitergabe von essenziellen Informationen zum Lernstand muss geregelt sein. Nur so können sich die weiterführenden Schulen optimal auf die Neuankömmlinge einstellen und entsprechende Differenzierungsmöglichkeiten erarbeiten. Das gilt in gleicher Weise für den Übergang von der Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II."

Quelle und Kontaktadresse:
Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)
Anne Roewer, Pressereferentin
Behrenstr. 23-24, 10117 Berlin
Telefon: (030) 7261966-0, Fax: (030) 7261966-19
E-Mail: Bundesverband@vbe.de
Internet: http://www.vbe.de
(dvf, cl)